Michael Sportouch, Vize-Präsident bei Activision Blizzard

„In der Games-Branche muss man finanziell ausdauernd sein“

Das französische Online-Nachrichtenmagazin L’Usine Digitale traf sich während der Paris Games Week mit Michael Sportouch von Activision Blizzard.

Der Vize-Präsident für den Raum Europa sprach im Interview mit Julien Bonnet über die Games-Branche und die Tatsache, dass man „finanziell ausdauernd“ sein sollte um ein Videospiel zum Erfolg zu führen. Selbst im Zuge des Trends zur Dematerialisierung von Inhalten, bleibt Sportouch ein starker Befürworter der physischen Distribution, insbesondere im Hinblick auf das erfolgreiche Franchise Skylanders, dessen Figuren sich sowohl in der realen als auch virtuellen Welt gewinnbringend behaupten.

Gemäß Sportouch kann man in den letzten Jahren immer höhere Budgetplanungen für die Entwicklung eines Spiels beobachten, da – zumindest bei Blizzard – die Macher sich weniger auf Quantität als auf Qualität konzentrieren würden.

Destiny

Destiny

Spiele seien ein Balanceakt zwischen Technologie und Unterhaltung, was aber den Gewinnchancen durchaus zugutekommt. Obwohl der Inhalt interaktiv ist und sich so von Filmen im Kino unterscheidet, nutzen beide Medien Skripte, Beleuchtungs- und Soundeffekte.

Jedoch sei es zugleich interessant zu beobachten, dass große aber auch Produktionen mit kleinen  Budgets Erfolge feiern können.

Dass Blizzards letzter Titel Destiny über einen Finanzierungsplan eines Blockbusters verfügt, das bestreitet der Vize nicht. „Für Destiny haben wir eine Investition von über 500 Million Euro veranschlagt, aber dieser Betrag ist relativ. Die erste Folge einer neuen Lizenz ist oft am teuersten, weil man ja von vorne anfangen muss. Da wir Destiny als ein MMORPG angedacht haben, war es auch notwendig,  eine Netzwerkinfrastruktur aufzubauen, die Millionen von Spielern gleichzeitig verbindet“, so Sportouch.

Verlangen solche Summen nicht automatisch eine weit größere Risikobereitschaft, will Bonnet wissen.

Gerade das sei der Charme der digitalen Unterhaltung, meint der Blizzard-Vize-Präsident. Ein Erfolg sei nie garantiert. Um die Risiken zu minimieren, ist das Unternehmen auf Ausnahmetalente angewiesen. Beim Starten eines Projekts stünde eine Idee und Hand in Hand mit diesem Konzept entfalte sich automatisch die Entwicklungskosten. Aber die Rentabilität sei bei dem Computer- und Videospiele-Konzern mit Sitz in Santa Monica nie ein Kriterium gewesen, das über den Start eines Projektes entscheidet. Was wiederum die anfängliche Aussage bestätigt, dass ein Studio finanziell in der Lage sein muss, bis zum kommerziellen Erfolg eines neuen Spiels zu warten.

Skylanders Figur

Skylanders Figur

Zum Schluss hakt Bonnet noch nach, ob die angesprochene „Dematerialisierung“ von Videospielen auch einen positiven Effekt auf die Rentabilität der Verlage habe. „Für die Gamer macht das meiner Meinung nach keinen grundlegenden Unterschied, ob sie das Spiel physisch auf einer CD oder als Download haben. Beide Modelle werden wohl noch eine Zeit lang nebeneinanderher existieren. Bei Activision glauben wir an den physischen Vertrieb unserer Spiele, besonders in Bezug auf die Kundenbeziehungen und Beratung für die Spieler. Kämen wir von diesem Weg ab, würde das auch Konsequenzen für Skylanders haben. Schließlich ist es das Spiel, das Activison erst zu einem Pinonier im Bereich des „Videospielzeugs“ gemacht hat.

Share this post

No comments

Add yours